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Unter dieser Rubrik werden wir Ihnen von Zeit zu Zeit einzelne Mitglieder und Persönlichkeiten im Gespräch mit dem DHV vorstellen. Die Mitgliederschaft des DHV soll auf diese Weise konkret und lebendig erfahren werden. Das aktuelle Interview mit
Helmut Eicker, Vorstandsvorsitzender Teutoburger Energienetzwerke eG, Hagen a.T.W. Die Teutoburger Energie Netzwerk eG (TEN) versorgt in den Gemeinden Hagen a.T.W., Bad Laer, Hilter, Glandorf und Bad Iburg mehr als 25.000 Haushalte, Unternehmen und Großabnehmer sicher mit günstigem Strom, Gas und umweltfreundlicher Fernwärme. Sie bietet in Hagen a.T.W. und Bad Laer Dienstleistungen in der Wasserversorgung sowie der Abwasserentsorgung an und betreut die Straßenbeleuchtung der Gemeinden Bad Laer, Glandorf, Hagen a.T.W. und Hilter a.T.W. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden, Herrn Helmut Eicker. Das Interview mit Herrn Eicker wurde am 3. Mai 2010 durch Dr. H.-W. Kortmann, DHV-Vorstand, und Tobias Sengenberger LL.M., Beauftragter des DHV für den Bereich Energiewirtschaft, geführt. Es wird nachfolgend auszugsweise wiedergegeben:
Helmut Eicker und Maike Sczuka im Interview mit Tobias Sengenberger LL.M. (links) und Dr. H.W. Kortmann (rechts) vom DHV. DHV: Herr Eicker, wer sich mit Ihrer Biographie beschäftigt, könnte sich fragen, ob Sie unseren Energie-Politikern nicht einmal etwas Nachhilfeunterricht geben sollten. Haben Sie zuweilen dieses Bedürfnis? H. Eicker: Ich bin Pragmatiker, der – wenn Sie meine Vergangenheit studiert haben – seine Erkenntnisse aus über 30-jähriger praktischer Erfahrung herleitet. Wenn es mir dadurch gelungen sein sollte, Impulse für die Dezentralisierung der energiewirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland zu geben, wäre das zwar nur ein kleiner Pyrrhussieg, allerdings in Anbetracht der jahrelangen Hörigkeit der Politik zugunsten der Energiekonzerne ein deutliches Ausrufezeichen. Ich glaube, die Politik hat etwas dazu gelernt und erkannt, dass einige energie- und insbesondere umweltpolitischen Ziele eher in kleinen Einheiten erfolgversprechender und zielorientierter umgesetzt werden können. DHV: Wenn Sie an Ihre intensiven Aktivitäten zur Zeit der Wende in Ostdeutschland zurückdenken, haben Sie etwas Entscheidendes und Nachhaltiges bewirken können? H. Eicker: Ich habe mich in den 90-er Jahren in Ostdeutschland gemeinsam mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter sehr stark für die Wiedergeburt von Stadtwerken eingesetzt, welche zum größten Teil ihre Unabhängigkeit bis zum heutigen Tage bewahrt haben. Allerdings musste diese Chance der kommunalen Selbstbestimmung über eine Verfassungsbeschwerde schwer erkämpft werden, da auch hier der Energiekuchen mit Hilfe der Politik eigentlich schon auf zentrale Strukturen eingerichtet war. Bleibt nur zu hoffen, dass die kommunalpolitischen Entscheidungsträger nach Auslaufen der ersten Konzessionsverträge nach der Wende in den nächsten Jahren ihre energiepolitische Unabhängigkeit bewahren. DHV: Apropos „Auslaufen von Konzessionsverträgen“, was bewegt zurzeit die Kommunen in Deutschland? H. Eicker: Wir stehen in Deutschland vor einer großen Welle der Neuvergabe von Konzessionen an Netzbetreiber für die Leitungsnetze Strom und Gas durch die jeweiligen Kommunen. Im Gegensatz zu früheren Vertragsabschlüssen gehen die Städte und Gemeinden nunmehr wesentlich sensibler mit dieser Thematik um. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zum einen haben die Kommunen erkannt, dass auch die Strom- und Gasversorgung wesentliche Bestandteile der kommunalen Daseinsvorsorge sind. Des Weiteren ist die Erkenntnis gewachsen, lukrative wirtschaftliche Betätigungen in die kommunale Selbstverwaltung zurück zu holen und Erträge aus der Energieversorgung in die lokalen Wirtschaftskreisläufe zu transportieren, anstatt in ferne Konzernkassen versickern zu lassen. Darüber hinaus spielen die Themen „rationelle Energienutzung, Kraft-Wärme-Kopplung, Erschließung Erneuerbare Energien“ eine mitentscheidende Rolle, wenn man diese in Kombination mit den Netzbetrieben Strom und Gas betrachtet. DHV: Das hört sich sehr einleuchtend an. Nur stellt sich die Frage, wie die Kommunen die Netze rekommunalisieren wollen, wo doch bekanntermaßen die Kassen leer sind. Wer soll die Kaufpreise für den Rückkauf der Netze aufbringen? H. Eicker: Da sind Sie in der Tat an einem neuralgischen Punkt. Wenn es keine Möglichkeiten der Quersubventionierung im kommunalen Bereich mehr gibt, weil entweder alle städtischen Betriebe bereits privatisiert oder selbst defizitär sind, werden die Kommunen partnerschaftliche Lösungen anstreben müssen, und zwar solche, welche mit dem in der Bevölkerung zunehmend festzustellenden Trend zu einer Art von dezentraler Energiewende vereinbar sind. DHV: Hören wir zwischen den Zeilen schon eine erste konzeptionelle Idee heraus? H. Eicker: In der Tat habe ich bestimmte Vorstellungen und Überzeugungen, wie die Kommunen in diesem Bereich erfolgreich agieren könnten. Wie Sie wissen, habe ich mich seit vielen Jahren der Genossenschaftsidee verschrieben und bin nicht von ungefähr Vorstandsvorsitzender eines der größten mehrspartigen regionalen Querverbundunternehmens, das in der Handelsrechtsform der eingetragenen Genossenschaft geführt wird. Wir betreiben in einem Einzugsgebiet von etwa 60.000 Einwohnern im südlichen Landkreis Osnabrück Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmenetze. Mit der TEN eG ist es uns gelungen das genossenschaftliche Förderprinzip mit wettbewerbsfähigem wirtschaftlichem Handeln in Einklang zu bringen und eine große Anzahl von Bürgern über ihre Mitgliedschaft quasi in einer Gesellschafterrolle in unserem Unternehmen an den Entscheidungsprozessen der heimischen Energieversorgung sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich zu beteiligen. Die TEN eG ist vor diesem Hintergrund in den letzten Jahren stetig gewachsen und wird aus Sicht vieler Beobachter als ein echtes Erfolgsmodell betrachtet. Warum soll man dieses Modell nicht auch im Zusammenhang mit der Rekommunalisierung von Energienetzen wiederholen? Unter dem Motto: „Mit gestalten, mit bestimmen und mit gewinnen“ lassen sich vor Ort viele Brücken bauen, deren Initiatoren die Gemeinden sein könnten. DHV: Für uns als jungem, auf die Entwicklung moderner Strukturen im Genossenschaftswesen und speziell auch im genossenschaftlichen Prüfungswesen ausgerichteten genossenschaftlichen Prüfungsverband ist dieser Gedankenansatz zugegebenermaßen geradezu elektrisierend. Aus der Strategieberatung von wachsenden Energiegenossenschaften – wir denken hier u.a. an unser Verbandsmitglied, die Greenpeace Energy eG, die mit fast 100.000 Mitgliedern der größte deutsche – allerdings nur im Stromhandel tätige – Stromanbieter für „sauberen Strom“ ist – wissen wir, das der Kapitalmarkt für genossenschaftliche Energieprojekte sehr aufnahmebereit ist. Wir könnten uns vorstellen, dass eine Energiegenossenschaft nicht nur die politische Meinungsbildung der Bürger bündeln, sondern zugleich eine Katalysatorfunktion für die Finanzierung eines Netzrückkaufs übernehmen könnte. Sie würde einerseits erhebliche finanzielle Mittel von ihren Mitgliedern als Geschäftsguthaben einwerben; andererseits würde sie aufgrund ihrer starken Kapitalbasis wie auch durch die Reputation der Genossenschaftsrechtsreform als solidarische und zugleich wirtschaftlich arbeitende Organisation für strategische Finanzpartner, den allgemeinen Kapitalmarkt, vielleicht aber auch für private Investoren, interessant sein. Und wenn in diesem Konzept die Kommune wenigstens die Rolle eines Sicherungsgebers, z.B. in Gestalt einer Kommunalbürgschaft, übernehmen würde, wäre die Finanzierungsproblematik der Rekommunalisierung vielleicht lösbar. Was halten Sie von einer derartigen Vorstellung? H. Eicker: In den letzten Monaten kommen vermehrt Vertreter von Städten und Gemeinden auf mich zu, um sich das mit der TEN eG realisierte Modell einer Energiegenossenschaft erklären zu lassen. Ich stoße dabei auf sehr offene Ohren und halte es daher für durchaus denkbar, ein Gestaltungsmodell in der von Ihnen aufgezeigten Richtung zu entwickeln. Allerdings herrschen noch große inhaltliche Defizite, da den Kommunen diese Alternative – auch von ihren unabhängigen Beratern – so gut wie nie vorgeschlagen wird. Es wird daher eine große Herausforderung werden, diese zusätzlichen gesellschaftsrechtlichen Optionen vor Ort zu verdeutlichen. Niemand könnte so etwas seriöser und bestandskräftiger bei den Kommunen untermauern als ein genossenschaftlicher Prüfungsverband, daher traue ich Ihnen das zu, Sie sollten umgehend beginnen! DHV: Vielen Dank für Ihr Vertrauen. Allerdings darf man die Tragweite und das Volumen einer derartigen die gesamte deutsche Energiewirtschaft umfassenden Aufgabe nicht unterschätzen. Kreativität und Umsetzungsstärke von Konzepten sind das eine, die Durchführung der praktischen Arbeit das andere. Wären Sie mit Ihrer TEN eG bereit und darauf eingestellt, in diesem Zusammenhang aktiv in das Beratungsgeschäft einzusteigen? Könnte das nicht auch ein zusätzlicher Erlöszweig für Sie werden? H. Eicker: Wir haben in den letzten zwanzig Jahren aktiv Netzübernahmen und Gründungsaktivitäten begleitet und umgesetzt und in dem einen oder anderen Fall auch zeitweise oder dauerhafte Beteiligungen – also Verantwortung – übernommen, d.h. wir beherrschen alle Facetten dieses Geschäftes und können zudem auf ein breites Netzwerk weiterer externer Aktivisten zurückgreifen. Zusätzlich mit einem starken Prüfungsverband im Rücken, könnte das Ganze noch weitaus effektiver werden. DHV: Herr Eicker, haben Sie vielen Dank für dieses Interview. Möglicherweise stehen wir gemeinsam am Anfang einer Zusammenarbeit in einem wahrlich epochalen Projekt. Artikel als PDF
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